Trends im Dialog Marketing 2015

4. Dezember 2014

Trends im Dialog Marketing 2015

Experten-Interview mit Anton Jenzer, DMVÖ-Präsident

Dialog Marketing 2015 – was sind aus Ihrer Sicht die Trends, Schwerpunkte?

Anton Jenzer: Hybrides Marketing, dh die intelligente Verzahnung der verschiedenen analogen und digitalen Medien und deren koordinierter, zielgruppenadäquater Einsatz ist weiter auf dem Vormarsch und wird sich in Richtung Omni-Channel-Marketing weiterentwickeln.
Die Kommunikation zwischen Empfänger und Anbieter in Echtzeit – Stichwort Customer Journey – wird die Unternehmen vor große Herausforderungen stellen.

Was werden die größten Herausforderungen dabei sein?

Anton Jenzer: Big Data, das Erfassen, Auswerten und Anwenden riesiger Datenmengen, ist zwar in aller Munde, aber in der Praxis dann doch kein so leichtes Unterfangen. Neben der Verwendung von passenden Systemen und der Bereitstellung von Ressourcen ist ein radikales Umdenken in Richtung „outside-in“ in den Unternehmen erforderlich. Gemeint ist damit, dass der Konsument nicht nur das Medium bestimmt, über welches er mit Unternehmen – immer und von überall - kommunizieren will, sondern auch, dass die Unternehmen ihre Marketing-Strategien und Geschäftsprozesse den Bedürfnissen und Wünschen der Konsumenten anpassen müssen und nicht umgekehrt. Nicht wer am lautesten schreit wird gehört, sondern der, der den Kunden am besten versteht und ihm damit am nächsten ist.

Österreich: die Wirtschaft stagniert. Die Ausgaben für Dialog Marketing auch? Wie sehen Sie die Entwicklung für 2015?

Anton Jenzer: Einfacher wird es nicht, wie die neusten Wachstumsprognosen zeigen. Umso wichtiger wird es sein, nicht zu raunzen und kurzsichtig bei den Marketing-und Werbekosten zu sparen. Das viel zitierte, aber oft nicht praktizierte antizyklische Verhalten ist jetzt gefragt. Das erfordert Mut und Initiative.

Teilbereich B2B: Auf welche Werbekanäle wird hier im Dialog Marketing 2015 verstärkt gesetzt?

Anton Jenzer: Die alte Mär, B2C-Marketing muss „emotional“ agieren und B2B läuft „rational“ und „rein sachlich“ ab , wurde in der Praxis schon längst widerlegt. Auch im B2B agieren in Wahrheit Menschen mit Menschen und nicht Unternehmen mit Unternehmen, so dass auch hier gleiche oder ähnliche Mechanismen greifen wie im B2C. Angesichts der bisher - absolut zu Unrecht - stiefmütterlichen Behandlung des Teilbereichs B2B plant zB der DMVÖ in 2015, diesen Bereich, der einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellt, mehr in den Vordergrund zu stellen.

Im Folgenden ein paar Schlagwörter, die derzeit gerade durch alle Marketing-Gazetten geistern. Bitte um Ihren Kommentar dazu:

Content Marketing
Anton Jenzer: Wird immer wichtiger. Nur wer für die jeweilige Zielgruppe relevante Inhalte und Informationen liefert, wird in Zukunft noch wahrgenommen werden.

Marketing Automation
Anton Jenzer: Wird an Bedeutung gewinnen. Wer in Echtzeit kommunizieren will, braucht letztendlich in vielen Bereichen automatisierte Workflows und Prozesse. Auch beim „Internet der Dinge“ bzw. bei „Industrie 4.0“ stehen wir erst am Anfang der Entwicklung.

Customer Life Time Journey
Anton Jenzer: In Zukunft einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren: Der Wettbewerb wird eher noch härter werden. Angesicht der Überangebots an Produkten und Dienstleistungen wird der richtige Umgang mit diesem Thema in vielen Fällen die Spreu vom Weizen trennen. Kommunikation „schlägt“ Ware.

CRM und Datenschutz (Individualisierung, Profiling, Retargeting usw.)
Anton Jenzer: Hier haben wir eine auf den ersten Blick ambivalente Entwicklung. Zum einen spüren Konsumenten immer mehr ein Unbehagen darüber, was mit ihren Daten so alles geschieht, zum anderen geben sie ihre Daten bereitwillig her, wenn sie sich daraus wirkliche Vorteile versprechen oder outen sich zB in sozialen Netzwerken in einem früher unvorstellbaren Ausmaß. Ich bin daher überzeugt, dass diejenigen Unternehmen die Nase vorn haben werden, die mit Kunden-Daten respektvoll, transparent und – was zB die Frequenz der Werbeansprache betrifft - im wahrsten Sinne der Wortes taktvoll umgehen. Reputation anstatt Image, Vertrauen anstatt Marke werden zu entscheidenden Erfolgsfaktoren. Konsumenten kaufen gerne bei Unternehmen, denen sie vertrauen.


Über Anton Jenzer:
Gründer und Geschäftsführer der ANTON JENZER CONSULTING GmbH; zuvor bei der Schober Group, einem der führenden Dialog-Marketing-Unternehmen in Europa tätig, davon viele Jahre als Vorsitzender der Geschäftsführung; Präsident des Dialog Marketing Verband Österreich (DMVÖ) und Vorstandsmitglied der Federation of European Direct and Interactive Marketing (FEDMA) mit Sitz in Brüssel; Dozent und Lektor für Dialog-Marketing, Verfasser verschiedener Fachpublikationen zu den Themen crossmediales (Dialog-)Marketing, Database-Management, CRM und Datenschutz sowie Referent auf Fachkongressen im In- und Ausland.

Norbert Lustig

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